Volker Viehoff

Die Zeit der Experten ist vorbei

Es sei „erschreckend“ gewesen, sagte Frau Maischberger, dass die Experten in ihren Talkrunden ihr nichts wirklich Erklärendes zu den Geschehnissen diese „Weltfinanzherbstes“ hätten mitteilen können.

Eine aufschlussreiche Mitteilung.

Es waren Experten, die dieses System kreiert haben. Und sie haben jeder ihren Teil dazu beigetragen, ohne ein Ganzes oder die Wirkungszusammenhänge des Ganzen noch zu überschauen. Die Laiendarsteller in diesem Drama hatten sich derweil in die trügerische und bequeme Sicherheit gewiegt, dass die Sache so kompliziert sei, dass sie sowieso nur von Experten zu verstehen wäre.

Bezeichnend ist die vielgehörte Aussage von „Geldanlegern“, die im nachhinein bekannten, gar nicht verstanden zu haben, in was sie denn da überhaupt ihr Geld angelegt hätten.

Wie kann so etwas passieren? Und wie kann dies offensichtlich weltweit geschehen? Welche Haltung kommt da langsam zutage und was ist das für einen seltsame  „Täter – Opfergemeinschaft“? Finanzkonstrukteure, die nicht mehr wissen, wie sich das auswirkt, was sie erschaffen, Anleger, die nicht mehr wissen, was sie kaufen und Vermittler, die nicht mehr wissen, was sie da durchgehandelt haben?

Dies scheint allen drei Akteuren (man müsste fast sagen: „Passeure“) gemein zu sein: Das Nichtwissen, vielleicht auch das Nichtwissenwollen dessen, was sie tun. Stattdessen sich leiten, besser: antreiben zu lassen von etwas, was man wohl so beschreiben könnte: Gewinnstreben ohne wirklichen Einsatz.
Was geht hier vor? Auf welchen Haltungen beruhen solche Handlungen?

Es wird bald offensichtlich, was sich hier zeigt: Ein eklatante Vermeidung, ein systematisches Aus-dem-Weg-Gehen dessen, was für wahrhaft menschliches Existieren doch unvermeidlich ist: Verantwortung zu übernehmen für die eigenen Handlungen oder Unterlassungen.

Die ganze Geschichte der Neuzeit als Vorläuferin der Moderne und dessen, worin wir uns gerade befinden, scheint sich in der Konsequenz unserer Tage unter einer Leitmaxime zusammen fassen zu lassen. Diese lautet in etwa: „Handle stets so, dass sich ein ( vermeintlicher ) Vorteil aus Deiner Handlung für Dich ergibt und vermeide alles, was Dich an die möglichen oder erahnten tatsächlichen Folgen Deines Handelns oder Unterlassens erinnern könnte.“ Ein kantiger Imperativ – mit verheerenden Auswirkungen.

Folgen einzelne Individuen dieser Spur ist das für sie selber in der Regel bedauerlich; sind diese „Neurotiker des Geistes“ dann in herrschender Stellung, ist es für die davon Betroffenen fatal. Handelt hiernach ein ganzes Zeitalter, ereignet sich, was gerade geschieht: Eine Katastrophe. Global.
Wie kommt so etwas zustande? Wie hat es sich entwickeln können, dass so eine „seelische Fehlhaltung“ zum öffentlich-unrechtlichen Allgemeingut wurde?

Es würde zu kurz greifen, zöge man nur die Geschichte des deutschen Scheiterns der Zwangskollektivierung 1933-1989 hier zurate. Es stimmt zwar, dass die dort verordnete absolute Priorität des „Gemeinwohls“ – so wie es die Machthaber es verstanden wissen wollten – zu einer heftigen Reaktion nach Abschaffung der Tyrannei geführt haben. Die 5 Reichsmark Scheidemünze des 3ten Reiches zierte nicht nur Hakenkreuz und Hindenburgkopf, sondern am Rande stand der Satz zu lesen: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“.

Das derzeitige Geldgebaren ist wohl eher so zu umschreiben: Aus maximalem Eigennutz entsteht Gemeinwohl irgendwie von alleine. Was es dazu braucht, um so einer „Logik“ folgen zu können ist eine unheilvolle Vermengung von wissenschaftlicher Theorien, geschichtlichem Vergessen, diskursbestimmender  Pressebeherrschung, indoktrinierender Lobbyarbeit, und vor allem jede Menge individueller Bereitschaft,  sein Leben mit einem Höchstmaß an Unbewusstheit „zu führen“. Man müsste eher sagen: Führen zu lassen. Vom Sich-Führen-lassen dieser Art ist es nicht weit bis zum Verführt werden.

Die Frage ist: Wer verführt hier wen?

Dazu müssen wir näher an das Epizentrum dieses „Bewusstseinsbebens“ heran kommen. Vielleicht müssen wir uns  von einer Vorstellung verabschieden, ohne die modernes Menschenbewusstsein scheinbar gar nicht auszukommen vermag: Es gibt Schuldige, das sind die anderen, und hinter fast allem steckt eine verborgene Absicht von Unterdrückung und Beherrschung.

Die Sache liegt wohl tiefer, als wir bislang bereit waren anzuerkennen. Und das wohl aus – nicht gutem, aber – nachvollziehbarem Grunde.

Die Neuzeit hat dem Menschen glauben machen wollen, er könne sein Existenz selbstbestimmt, selbstherrlich und von daher willkürlich führen. Dazu müsse er „den Mut haben sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“. Was anfangs nicht verraten wurde: Dafür braucht einige Generationen später der Einzelne Experten, die ihm erklären müssen, wie die Systeme, die sein Verstand sich ausgedacht hat und von dessen funktionieren er mittlerweile fast total abhängig geworden ist, denn überhaupt noch funktionieren.
Der derzeitige Medienstar der Genforscherszene beispielsweise, Craig Vester, hat angemerkt dass „die Bevölkerung  es sich deshalb auch nicht mehr leisten (kann), die Wissenschaften nicht zu verstehen: Wenn du kein wissenschaftliches Verständnis hast, während unsere Zukunft gleichzeitig komplett auf wissenschaftlichen Erfolgen aufbaut, dann überlässt du anderen die Gestaltung deiner eigenen individuellen Zukunft. Das sind beängstigende Aussichten.“

Wenn das schon ein „ausgewiesener Experte“ von sich gibt – was heißt das aber für die Verlässlichkeit von Expertentum überhaupt? Galten Experten zwar lange schon als ein wenig seltsam, mitunter auch als krude Fachidioten, so hat man ihnen dennoch nicht abgesprochen „etwas zu verstehen“, was letztlich von Belang oder sogar von existentieller Bedeutung ist. Was sich aber jetzt zeigt ist, dass die Experten von dem, was wir meinten, dass sie es verstünden (und beherrschen!), selber keine Ahnung mehr zu haben scheinen.

Das ist allerdings eine beängstigende Vorstellung, mehr - eine erschütternde Tatsache. Die „Finanzkrise“ ist nur Symptom. Sie steht, als wirksam gewordener Ausdruck für unsrem Umgang mit dem „Lebensmittel Geld“ stellvertretend für eine tiefwurzelnde Fehlhaltung, eine grundlegendes Missverstehen unsrer Existenz als Mensch.

Da tut sich der wahre Abgrund auf.

Wenn davon gesprochen wird, dass  weltweit „das Vertrauen“ der Marktteilnehmer ineinander  verloren gegangen sei, ist das doch also nicht nur ein Manko, ein Problem, dass es schnell zu lösen gelte. Es ist – fast möchte man sagen – eine erste Reaktion der Reste des gesunden Menschenverstandes. Eine Art „Vollbremsung“ vor dem Abgrund, in den die massenweise Abgabe der Verantwortung für die eigenen Handlungen an die Kaste der Experten, die mit „hohepriesterlichem“ Nimbus die Prozession der Wissenschaftsgläubigen zielsicher an den Rand desselben geführt haben. Offensichtlich ohne wirklich zu wissen, was sie da tun! Und ohne „Unrechtsbewusstsein“. „Wer plant, wer forscht, wer treibt voran und wer will? Das wissen nicht einmal die Forscher. Frag einen Forscher und die Dürftigkeit einer Antwort wird an die eines Feldmarschalls grenzen, der Millionen Tode befiehlt und niemals über den Tod nachdachte“. So urteilte der 1975 verstorbene Philologe und Byzantinist Erhart Kästner über die Unsäglichkeit des modernen Wissenschaftsbetriebes. Dieser Spezies verdanken wir die verantwortungslosen Weltwirtschaftsmodelle, die dann diese „Subspezies“ der Finanzexperten erst hervorbrachte, denen heute vor Ratlosigkeit bei Maischberger auf dem Sofa nichts Vernünftiges mehr einfällt. Es wird Zeit aus dem Tiefschlaf der Aufklärung aufzuwachen. Halten wir den Film an. Schluss mit „Eyes wide shut….“!

Der Mensch wird nur Mensch in der Entscheidung. Er kommt nicht umhin alle seine Handlungen und Unterlassungen als Frucht immer wieder zu treffender, zu erringender Entscheidungen zu begreifen. Entscheidungen sind, wie das Wort sagt, die Beendigung einer Scheidung. Etwas Geschiedenes wird entschieden. Dadurch entsteht ein Weg, der Richtung gibt und zu dem man stehen kann, wodurch allein Verantwortung entsteht. Warum wird den Managern, bei aller Übertreibung, denn zurecht verantwortungsloses Handeln vorgeworfen? Ein Vorwurf, der seltsam verhallt? Weil diese, stellvertretend für alle „Marktteilnehmer“, vom Kleinanleger bis zum Politiker im Verwaltungsrat der Landesbank, ihre eigenen Handlungen letztlich nicht als eigene Handlungen erleben!

Ein unheimliches Phänomen wird hier sichtbar. Angedeutet und vorbereitet hat sich diese verhängnisreiche Entwicklung schon lange.

Es ist bei der Suche nach hilfreichen Gegenwartsanalysen m.E. immer von größtem Aufschluss (und auch bestürzender Bewahrheitung), in den Archiven einige Jahrzehnte zurück zu blättern. Was dort mitunter über die damals anbrechende Zukunft ausgesagt wurde, ist heute oftmals zu deutende Gegenwart.

So auch die Aussagen, die der Theologe Romano Guardini um 1950 in seinem Werk „ Die Macht“ über das Wesen der anbrechenden Zeit systematisch organisierter Verantwortungslosigkeit auszusagen hatte.
„Es gibt keine nicht-verantwortete Macht. (…) Deren Wirkung ist immer Tat – oder wenigstens Zulassung – und steht als solche in der Verantwortung einer menschlichen Instanz, einer Person. Das ist auch dann so, wenn der Mensch, der sie ausübt, diese Verantwortung nicht will. (…) Sobald auf die Frage: wer hat das getan? weder ein „Ich“ noch ein“ Wir“; weder eine Person noch eine Personengemeinschaft mehr antwortet, scheint Machtausübung zur Naturwirkung zu werden.“

Er führt weiter aus, dass Macht immer dann zur Gefahr werde, wenn hinter ihr überhaupt kein ansprechbarer Wille mehr stehe, sondern nur einen anonyme Organisation, in welcher „ jeder durch benachbarte Instanzen geleitet, überwacht und dadurch – scheinbar- der Verantwortung enthoben“ sei.

Diese dann nicht mehr vom Bewusstsein einer Person getragene Handlung lasse dann  im Handelnden einen eigentümlichen leeren Raum entstehen. Da er sich nur als ein „Element in einem Zusammenhang“ erlebe, scheine er selber als „Subjekt der Handlung“ auszufallen.

Was aber als Folge dann geschieht, weist  in aller Dramatik auf die eigentliche Dimension dieses Missverstehens menschlichen Existierens hin. Es zeigt unweigerlich das, wovor das moderne Bewusstsein immer noch beharrlich die Augen verschließt, obwohl seine Wirkungen sich allenthalben explosionsartig ausbreiten: Diese Leere, die dort entstehe, wo die Person übersehen, verleugnet und vergewaltigt werde, bleibe nun nicht.  Was sich in diese hineinzwänge, ergieße, sei nichts anderes als das Böse – als Theologe wird er deutlicher: Der Böse.

Es gehört zu den fürchterlichsten Folgen neuzeitlicher Irrtümer über die Wirklichkeit, dass sie, wie Kästner es formulierte, das Böse nicht kenne. „Soviel Hilfe hatte es nie.“

Wer einigermaßen seine eigenen Seelenabgründe erkundet hat, weiß wovon hier die Rede ist. Und er sieht schmerzerfüllt, dass, solange hier nicht mutiger gedacht, gesprochen und beschrieben wird, alle wirtschaftlichen „Rettungsmaßnahmen“ oberflächlicher Art so viel Nutzen wie Löcher ins Wasser zu graben. Es wird die letzten Kräfte  sinnlos verbrauchen.

Sie hätten in einen „bodenlosen Abgrund“ geschaut, bekannte ein Wall Street Banker in den frühen Oktobertagen. Peer Steinbrück und Angela Merkel seien „erbleicht“, als Ihnen geschildert, welches unbeherrschbare Chaos unmittelbar bevorstehe, wenn die HRE Bank nicht gerettet werde. Hier waren wir nahe dran am wirklichen Geschehen. Was noch fehlte? Der Mut wirklich zu sehen, was man sieht.

Nun versuchen alle wieder die Experten ihren „Job“ machen zu lassen, nachdem sich die Lust an Managerschelte erschöpft hat. Wir versuchen noch einmal den Bannzauber der Wissenschaft über das Desaster zu werfen, um ohne radikaler Infragestellung unserer inneren Daseinshaltung doch noch irgendwie durchzukommen.

Das wird nicht gut gehen.

Und am Ende wird uns dabei kein Experte mehr zu Seite stehen. Die notwendende Hilfe kommt auch nicht „von oben“.

Sie wartet innen. In jedem Einzelnen. Und hier ist jeder Experte - wenn er sich nur traut.

von Bernard Lietaer
mit Dr. Robert Ulanowicz & Dr. Sally Goerner

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Zusammenfassung
Die fortlaufende Finanzkrise ist nicht das Ergebnis eines zyklisch auftretenden oder betriebswirtschaftlichen Versagens, sondern strukturell bedingt. Diese Aussage wird unter anderem dadurch belegt, dass es im Laufe der vergangenen 20 Jahre bereits mehr als 96 bedeutende Bankenkrisen gegeben hat und dass solche Pleiten auch in verschiedenen Kontrollsystemen und Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung passiert sind. Wir müssen dringend bessere Lösungen finden, denn als wir dem letzten Zusammenbruch dieses Ausmaßes gegenüber standen - der Weltwirtschaftskrise der 1930-er Jahre - führte dies zu einer Welle des Faschismus und zum zweiten Weltkrieg. Doch die bisher angewendeten üblichen Lösungen – Verstaatlichung der Problem-Aktiva (wie im ursprünglichen Paulson-Rettungsplan) oder Verstaatlichung der Banken (wie in Europa) – behandeln nur die Symptome, nicht die grundlegende Ursache der derzeitigen Bankenkrise. Auch wird die Neuregulierung des Finanzsektors, die alle auf ihrer politischen Agenda haben, im besten Fall die Häufigkeit solcher Krisen reduzieren, nicht aber ihr erneutes Auftreten verhindern.

Die gute Nachricht: Es stehen nun eine systemische Betrachtungsweise und eine fachgerechte Lösung zur Verfügung, die aus solchen Pleiten ein Phänomen der Vergangenheit machen würde. Durch einen kürzlich erfolgten wissenschaftlichen Durchbruch, der das Konzept ausbalancierter, strukturell intakter und gut funktionierender Ökosystemen erklärt, lässt sich nun belegen, dass alle komplexen Systeme – einschließlich der monetären und finanziellen – strukturell instabil werden, sobald die Produktivität überbetont wird auf Kosten von Vielfalt und Vernetzung sowie der entscheidenden Widerstandsfähigkeit, die diese bieten. Das überraschend Grundlegende und Anwendbare dieser Erkenntnis liegt darin, dass es zu nachhaltigem Wohlstand gehört, Vielfalt auch in unsere Währungen und dazugehörigen Institutionen zu bringen, und damit die Verfügbarkeit von Geld in seiner wesentlichen Funktion als Tauschmittel zu erhöhen, statt als Mittel zum Sparen und für Spekulation. Zudem sind diese Währungen speziell so gestaltet, dass sie andernfalls ungenutzte Ressourcen mit unbefriedigten Bedürfnissen innerhalb einer Gemeinschaft, einer Region oder eines Landes verbinden. Diese Währungen werden als „ergänzend“ bezeichnet, weil sie das national gebräuchliche Geld nicht ersetzen, sondern vielmehr parallel dazu benutzt werden.

Der effektivste Weg für Regierungen, eine solche Strategie vielfältiger und nachhaltiger finanzieller Ökologie zu unterstützen, besteht darin, sorgfältig ausgewählte, solide Komplementärwährungen - während des Zeitraums, in welchem die Banken die reale Wirtschaft nicht mehr voll finanzieren können - als Zahlungsmittel für einen Teil der Steuern zu akzeptieren. Die Entscheidung darüber, welche Komplementärwährung akzeptiert werden sollte, hat sowohl eine fachliche Seite (Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen Fälschung) als auch eine politische (welche Aktivitäten werden als unterstützenswert angesehen). Wir empfehlen als besten Anwärter für diese Rolle eine professionell geführte Business-to-Business (B2B) Komplementärwährung nach dem Model des WIR-Systems, das seit 75 Jahren erfolgreich in der Schweiz praktiziert wird und ein Viertel der Betriebe des Landes einbindet. Dieses System wurde in einer amerikanischen ökonometrischen Analyse als wesentlicher antizyklischer und stabilisierender Faktor für die sprichwörtliche Stabilität der Schweizer Wirtschaft gewürdigt.

[Lesen Sie den weiteren Artikel im pdf.]

Wer sich den Vortrag von Volker Viehoff vom 3.11. im Holsteiner noch einmal anhören möchte, kann dies nun entweder auf der Website von Falk Münchbach tun oder sich die mp3-Datei HIER direkt herunterladen.

Pressemitteilung vom 14.11.2008 | 14:07
ödp Bundesverband
ödp: Weltfinanzaufsicht ja - aber nicht durch diesen IWF

ödp nimmt Stellung zum Weltfinanzgipfel

„Der IWF eignet sich nicht für die Weltfinanzaufsicht.” Diese Aussage trifft Sarah Luzia Hassel-Reusing, Wirtschaftspolitikerin der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) anlässlich des am Samstag stattfindenden Weltfinanzgipfels in Washington.

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) soll nämlich eine herausragende Rolle im Weltfinanzsystem zukommen. Außerdem soll darüber beraten werden, mit welchen Mechanismen das internationale Finanzsystem stabiler konstruiert werden kann. Grund des Treffens ist die derzeitige internationale Finanzkrise, welche durch das Platzen der Spekulationsblase mit Hypothekendarlehensforderungen in den USA ausgelöst wurde.

Anfang November hatte sich die EU (Europäische Union) darauf verständigt, auf dem Gipfel für eine Marktwirtschaft, die der Schaffung von realen Werten statt der Spekulation dient, sowie für mehr Transparenz und für eine Finanzaufsicht auch über Hedgefonds und Ratingagenturen einzutreten. Die Koordination dieser Aufgaben soll nach Auffassung der EU der Internationale Währungsfonds (IWF) übernehmen.

„Diese Ziele”, so ödp-Politikerin Hassel-Reusing, „sind begrüßenswert. Aber der IWF ist die derzeit am wenigsten geeignete Organisation für diese Aufgaben. Die drakonischen Auflagen, an die der IWF in den letzten Jahrzehnten die Vergabe von Krediten vor allem an Entwicklungs- und Schwellenländer gebunden hat, haben viele Staaten gerade erst in die Krise gestürzt.”

Die Kreditauflagen des IWF, so Hassel-Reusing weiter, seien oft darauf fokussiert gewesen, Rohstoffe und Arbeitskraft aus den Schuldnerländern möglichst billig zu bekommen. Der IWF verlange regelmäßig eine einseitige Konzentration auf die Exportwirtschaft, die Senkung von Löhnen und Sozialabgaben und den Abbau jeglicher Schutzmaßnahmen für die Binnenwirtschaft der Schuldnerstaaten. Dass er außerdem massive Steuersenkungen verlange, zeige, dass es dem IWF nicht darum gehe, die Staatsschulden jemals vollständig zu tilgen.

Durch vom IWF erzwungenen Kürzungen bei Nahrungsmittelsubventionen kam es zu Unruhen in Bolivien (1985), Sambia (1986), Jordanien (1989). Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, untersagte der IWF 2003 inmitten einer Hungersnot, aus den staatlichen Nahrungsmittelspeichern kostenlos Lebensmittel zu verteilen, weil dies angeblich den Wettbewerb verzerren würde. Prof. Jean Ziegler, ehemaliger Uno-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung, hat die Auflagen des IWF als eines der Haupthindernisse für die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung entlarvt.

Der IWF zwang Sambia zum Verkauf seiner Notenbank und Argentinien zur Privatisierung des Zolls. Es waren Auflagen des IWF, welche die südafrikanische ANC-Regierung dazu brachten, die öffentliche Wasserversorgung zu privatisieren und dadurch das Menschenrecht auf Wasser in der vom ANC damals neuen selbst geschaffenen südafrikanischen Verfassung zu brechen.

Davison Budhoo, ein 1988 beim IWF ausgeschiedener Mitarbeiter, hat dem IWF sogar vorgeworfen, Wirtschaftsdaten des kleinen, aber ölreichen Karibikstaats Trinidad und Tobago gefälscht zu haben, um dem Land seine Strukturanpassungen aufzwingen zu können. „Der IWF“, so Hassel-Reusing, „hat einseitig die Interessen von Gläubigerbanken und -staaten vertreten und Schuldnerländer gezwungen, selbst gegen ihre eigenen Verfassungen verstoßende Kreditauflagen zu erfüllen, obwohl es keine Rechtsgrundlage dafür gibt, IWF-Auflagen über nationale Verfassungen zu stellen. Auch wenn der IWF heute noch den Status einer Uno-Sonderorganisation hat, kann dies nicht darüber hinweg täuschen, dass er die moralischen Werte der Vereinten Nationen, allen voran die sozialen Menschenrechte, mit Füßen getreten hat. Statt nun eine derart selbstherrliche und menschenrechtsverachtende Organisation wie den IWF zum Weltfinanzaufseher zu machen, muss erst einmal die Geschichte von Verfassungsbrüchen und Menschenrechtsverletzungen durch IWF-Auflagen aufgedeckt, und die Verantwortlichen müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem sollte die Uno ihm den Vertrag kündigen, der ihn zur Uno-Sonderorganisation macht, denn dieser Status befreit den IWF vom Zivilpakt und vom Sozialpakt der Uno, ohne der Weltorganisation irgendeine
Kontrolle über den IWF zu geben.”

Für die Etablierung einer weltweiten Finanzaufsicht, so ödp-Politikerin Hassel-Reusing, wäre eine Kontrolle durch eine den Vereinten Nationen unterstehende Nebenorganisation geeigneter. Denn Uno-Nebenorganisationen können bei Versagen auch wieder aufgelöst werden.

Ökologisch-Demokratische Partei (ödp)

Bundespressestelle
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Tel. 030/49854050
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www.oedp.de

Würzburg - Veröffentlicht von pressrelations

Link zur Pressemitteilung:
http://www.pressrelations.de/new/standard/dereferrer.cfm?r=346308

Ein interessantes Interview mit Bernard A. Lietaer findet sich auf der Connection-Website – hier ein kleiner Auszug:

Bernard Lietaer war Professor für Internationales Finanzwesen in Leuven, Berater für mehrere südamerikanische Regierungen und europäische Institutionen sowie für multinationale Konzerne auf vier Kontinenten und Präsident des elektronischen Zahlungssystems in Belgien. Fünf Jahre lang beschäftigte er sich mit dem Entwurf und der Durchsetzung der europäischen Währung, dem Euro. Die Herausgeberin des amerkanischen Magazins »Yes« Sarah van Gelder sprach mit Bernard Lietaer über die Nachteile unseres bisherigen Währungssystems und die Chancen einer Erneuerung

Sarah: Warum setzen Sie so viel Hoffnung auf die Entwicklung alternativer Währungen?

Lietaer: Geld ist wie ein eiserner Ring, den wir durch unsere Nasen getrieben haben. Wir haben vergessen, dass wir das Geld erfunden haben und jetzt führt es uns im Kreis herum. Ich denke, dass es an der Zeit ist, darüber nachzudenken, wo wir eigentlich hin wollen – nach meiner Ansicht zu mehr Gemeinschaft und mehr Nachhaltigkeit. Dann sollten wir das Geldsystem zu entwickeln, das uns dorthin führt.

Sarah: Sie würden also sagen, dass die heutige Geldordnung die Ursache für vieles ist, was heute in unserer Gesellschaft passiert, bzw. nicht passiert?

Lietaer: Ja. Während in Wirtschaftsfachbüchern behauptet wird, dass Menschen und Firmen für mehr Weltmarktanteile und Rohstoffe im Wettbewerb stehen, behaupte ich, dass sie in Wirklichkeit für höhere Profite kämpfen und Weltmarktanteile und Rohstoffe nur dafür benützen. Deshalb bedeutet die Entwicklung einer neuen Währungsordnung die Neudefinition des Wirtschaftszieles. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Gier und Wettbewerb aus der unveränderbaren menschlichen Natur resultieren. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass Gier und die Angst vor Knappheit durch das jetzt praktizierte Geldsystem ständig erzeugt und vergrößert werden.

Volker Viehoff

Zwei Interviews mit Margrit Kennedy

In den vergangenen Tagen sind zwei Interviews mit Prof. Margrit Kennedy, die sich seit vielen Jahren für Regionalwährungen einsetzt, in großen Publikationen erschienen, und haben dem Thema komplementäre Währungen/Alternativen zum Finanzsystem somit eine größere Öffentlichkeit verschafft. Heute hieß in der Süddeutschen Zeitung: „Kreditnehmer sind die neuen Sklaven”.

SZ: Geldvermehrung ist also in Ihrem Weltbild nicht per se schlecht, wenn es nur der guten Sache dient?

Kennedy: Richtig. Ich bin heute der Meinung, dass wir das Zinsthema nie ganz aus der Welt schaffen werden, weil es irgendwo immer eine Möglichkeit geben wird, Zinsen zu erwirtschaften. Was wir aber brauchen, ist ein anderer Zugang zu Geld. Wir müssen lernen, dass es andere Möglichkeiten gibt, Geld zu benutzen und Geldentwürfe umzusetzen. Zum Beispiel solche, die Bildung fördern, Ökologie, soziale Projekte.

SZ: Nennen Sie ein Beispiel.

Kennedy: Überzeugend ist das Fureai-Kippu-System in Japan. Jüngere Menschen, die bereit sind, für ältere Pflegeleistungen zu erbringen, bekommen vom Staat Stundengutschriften. Diese können sie später für sich selbst oder für ihre Eltern oder Freunde verwenden. Das bestechend Einfache daran: Eine Stunde ist eine Stunde ist eine Stunde - ein völlig inflationssicheres Geld also. Interessant ist, dass die Japaner sich mittlerweile lieber für einen der freiwilligen “Stundenkräfte” als für professionelle Dienstleister entscheiden, weil Erstere eine größere Motivation mitbringen. Das ist wie eine ergänzende Währung zum Yen und stärkt nebenbei die Gemeinschaft.

Und vor einigen Tagen äußerte Margrit Kennedy im Gespräch mit FAZ.net: „Geld kann nicht für uns arbeiten”:

Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden?

Im aktuellen Geldsystem ergänzen sich der Zins und die Inflation bestens, um den Geldkreislauf in Gang zu halten. Der führt jedoch zwangsläufig zu Instabilität. Denn durch den Zinseszinseffekt folgt das Geld einem exponentiellen Wachstum, was aus mathematischer Notwendigkeit zu Instabilität führen muss. So lange wir das nicht ändern, wird das Weltfinanzsystem instabil bleiben.

Volker Viehoff

Petition für Neues Geld in Österreich

Kay Voßhenrich hat darauf aufmerksam gemacht, daß in Österreich ausgehend vom Unterguggenberger-Institut eine Petition für Neues Geld gestartet wurde. Unterschrieben hat unter anderem bereits Erwin Wagenhofer, dessen Film “Lets make Money” ja derzeit einige Wellen schlägt:
http://www.neuesgeld.org/petition

Die Petition richtet sich explizit an den österreichischen Gesetzgeber, könnte aber möglicherweise Inspiration sein, daß wir uns auch in der Schweiz oder Deutschland in unseren Regionen an Kommunen (deren Räte meist ebenfalls einen Petitionsausschuss haben, an den sich jeder wenden darf) oder Landesregierungen wenden oder gar etwas Ähnliches auf Bundesebene angestossen werden könnte.

Sowas sollte gut bedacht und geplant sein, schließlich nützt eine Unterschriftenliste, auf der sich (beispielsweise) 300 Leute befinden, für die Bundesebene nicht wirklich viel. Denkbar wäre aber, daß jene, die Kontakte zu Mehr Demokratie e.V. oder zum Omnibus für Direkte Demokratie haben, diese pflegen, um aufbauend auf der dortigen Erfahrung mit Direktdemokratischen Maßnahmen irgendwann eine professionelle
Petition auf die Beine zu stellen.

>> PDF-Download der Petition

Volker Viehoff

Film „Firewall”

Hier ist eine Dokumentation von 1:24 Std, der es in sich hat:
http://www.nuoviso.de/filmeDetail_firewal.htm

Eine Analyse der Weltfinanzkrise im Jahre 1929 gibt Aufschluss über die gegenwärtige Situation am Finanzmarkt. Lyndon LaRouche sagt noch für das Jahr 2008 einen Total-Kollaps der Weltwirtschaft voraus. Dies sei unvermeintlich und gerade aus diesem Grund sollten wir Vorkehrungen treffen, um später nicht im Chaos zu versinken.

Der Film verspricht durchaus Hoffnung und zeigt uns die im Grunde so simple Lösung dieses Problems. Auch wenn der Kollaps des Geldsystems nicht mehr aufzuhalten scheint, ist noch nicht alles zu spät. Von uns Menschen selbst hängt es letztlich ab, wie wir unsere Zukunft gestalten. Doch dafür ist vor allem der Zugang zu Informationen wichtig, um ein umfassenderes Weltverständniss für gegenwärtige Geschehnisse zu erlangen.

Volker Viehoff

Veranstaltungstipp

Montag, 3.11.2008 – Kiel, Holsteiner (am Holsteinstadion, Westring 501), 19:30 Uhr – „Das Geld ist tot – lang lebe das Geld”

Milliardenpakte, bald Billionenpaket (1000 Milliarden) zur Rettung eines Systems, das genau die Probleme erzeugt hat, dass einer aufgeblähten Geldmenge keine Werte gegenüberstehen und somit die Sicherheiten fehlen.

Was haben wir Bürger damit zu tun? Was sollten wir tun / wissen / fordern / verstehen? Was sollten wir gemeinsam entwickeln? Eine echte Neulandsuchveranstaltung mit dem ehemaligen Bankvorstand Volker Viehoff am 3.11.2008 um 19.30 Uhr.

Flugblatt zum Runterladen

Den Vortrag finden Sie in meinem Beitrag vom 20.10.2008 – „Geld ist eine rein rationale Sache – und die Erde eine Scheibe”.

Und hier das PDF des Vortrags zum Herunterladen

Unzeitgemäße Betrachtung mit einem zeitgemäßen Aufruf

Was ist Geld denn nun? Wie oft mag diese Frage in den letzten Wochen gestellt worden sein? Oder ist mitgeschwungen in der bangen Frage: ist mein Geld denn noch sicher?! Und wenn ja, wo?
Haben die Talkrunden beruhigen können? Waren die Erklärungen des Bankberaters mehr als Beschwichtigungen? Haben die Expertenstatements überzeugt? Fand sich in den Gesprächen mit Freunden, Nachbarn, Kollegen Aufschluss und Perspektive?

Offensichtlich ist Geld anders. Es scheint es wirklich zu geben, dieses „Geldwesen“. Und es scheint nicht so eindeutig fassbar, wie wir immer dachten. Was dieses Wesen so schwer fassbar macht: Die Ambivalenz des Geldes. Da ist zum einen ein undurchschaubares Finanzsystem entstanden, dass nun auch Experten nicht mehr verstehen und welches offensichtlich ein Eigenleben entwickelt hat, dass uns Angst und Bange wird. Und warum? Weil zum anderen Geld uns höchstpersönlich betrifft. Es bestimmt nicht nur unser Leben.
Es ist in gewisser Weise unser Leben. Wir sind das Geld!

Dieser Geldbogen spannt sich weit zwischen abstraktem Gegenstand der Gesellschaftwissenschaften – Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Politologie u.ä. – und der bei genauer Hinsicht esoterisch anmutenden Wirksamkeit des Geldes im konkreten Alltag des Einzelnen - da gibt es soviel Auffassungen über die Bedeutung und den konkreten Umgang mit Geld wie es Menschen gibt. Geld ist Leben.

Eins scheint jedenfalls sicher: Geld ist sicher nicht das, was wir dachten. Was jetzt geschehen ist und noch geschehen wird, hat viel damit zu tun. Es hat etwas damit zu tun, dass wir als Einzelne und als Gemeinschaft über lange Zeit uns einfach keine ernsthaften Gedanken mehr über das Geldwesen gemacht haben. Wir haben es sozusagen „laufen lassen“. Und wie es jetzt aussieht, ist es dabei ziemlichen dubiosen Kreisen in die Hände geraten.

Jedenfalls scheinen wir alle mehr damit zu tun zu haben, als uns lieb ist. Es ist jetzt aber nicht die Zeit Opfer zu spielen, Täter zu beschuldigen der nach dem Retter zu fahnden. Es kommen Probleme ganz anderen Ausmaßes auf uns zu.

Wir müssen Verantwortung neu übernehmen.

Die nachfolgende Betrachtung versteht sich als ein Versuch. Der Versuch eines Anfangs. Vielleicht geht es in der nächsten Zeit vor allem um Anfänge dieser Art, noch nicht um Lösungen. Wir werden noch genug mit der akuten Bewältigung der kommenden Krisen zu tun haben. Um daraus zu lernen braucht es Besonnenheit, das Ergebnis von sich besinnen. Versuchen wir, uns ein wenig zu besinnen, uns zu fragen: Was ist da eigentlich passiert? Wie hängt da was zusammen? Was sind jetzt die Konsequenzen? Was kann und muss jeder Einzelne beginnen zu tun?

Was geht hier eigentlich vor?

Kreditkrise - Finanzkrise - Bankenkrise - Wirtschaftskrise - Gesellschaftskrise.
So in etwa der Dominoeffekt des Geschehens. Derzeit kippt der dritte auf den vierten Stein. Dass die Banken nicht gleich ganz zur Seite weggefallen sind und unser Spiel sofort aus gewesen wäre, hat u.a. mit dem guten Krisenmanagement von Kanzlerin und Finanzminister zu tun. Bundesbankpräsident Axel Weber fand wohl im rechten Moment Gehör. Ein Zusammenbrechen der Hypo Real Estate hätte offensichtlich das Bankenclearingsystem schlagartig zum Erliegen gebracht. Eine unmittelbare Folge: Kein Geld mehr an den Automaten. Bei dieser Information seien Kanzlerin und ihr Finanzminister „erbleicht”. Kein Wunder. Daher die Entschlossenheit und das Pathos. Gut gemacht!

Die Regierung hat die akute Bankenkrise vorerst entschärft. Dafür hat sie, wie fast alle anderen Regierungen auch, ihre sowieso eigentlich schon nicht mehr vorhandenen Mittel auf Jahre bis aufs Äußerste angespannt. Hier geht nichts mehr.

Die wirkliche Krise kommt aber erst jetzt. Die Finanzkrise war das Seebeben. Die Bankenkrise das schlagartige Zurückweichen des Wassers. Sie wissen was dann geschah.

Die Krise der „Realwirtschaft“

Die Welle rollt schon heran. Und hier in der wird der Staat finanziell keine wirklich hilfreiche Rolle mehr spielen können. Lafontaine würde das sofort erkennen, hätte er jetzt Verantwortung zu tragen. Als er sie in
Schönwetterzeiten als Finanzminister hatte, hat er sich schon nach fünf Monaten beim ersten Luftzug aus dem Staub gemacht.

Was zeichnet sich ab?

Die gedankliche Unterscheidung in “Finanzwirtschaft” und “Realwirtschaft” hat einen kleinen Schönheitsfehler. Unsere westliche Zivilisation hat es sich zwar eine Weile -zu Lasten der restlichen Welt - leisten können, eine Finanzvirtualität ungeheuren Ausmaßes, ein “Monster” (Bundespräsident Köhler), groß und mächtig werden zu lassen. Dieses “Ding” hatte scheinbar immer weniger “Kontakt” mit der wirklichen Welt, der realen Wirtschaft. Jetzt zeigt sich der fatale Irrtum. Die himmelsstürmenden und nun einstürzenden
Türme der Finanzgigantomanie schlagen hart auf dem Boden der Tatsachen auf. Und dort ist sie: Die „Realwirtschaft” - Mittelständische Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen und europäischen Wirtschaftskraft ausmachen.

Ihnen könnte es jetzt selber das Rückgrat brechen.

Das sieht etwa so aus:
Es ist abzusehen, dass die Finanzversorgung der mittelständischen Wirtschaft in eine bedrohliche Krise geraten wird. Die Banken als Kreditgeber haben die Kreditzügel fest angezogen und werden dies auch weiter tun. Zurückgehender Absatz, Entlassungen, weniger Kaufkraft, weniger Staatsnachfrage verschlechtern die Bonität, machen weiteren Kredit unmöglich und lösen eine Welle von Unternehmenszusammenbrüchen aus:
Vom Automobilzulieferer bis zum IT - Dienstleister, vom Heizungsinstallateur mit zwei Meistern, fünf Gesellen und zwei Lehrlingen bis zum Biobäcker mit drei Filialen, vom Landwirt bis Spezialmaschinenbauer.

Wie kommt das Geld in die Wirtschaftswelt: Die Banken.

Denn es wird nun Banales offensichtlich, an das wir uns nur zu sehr gewöhnt hatten:
Die globalisierte Weltwirtschaft braucht ununterbrochene und verlässliche Versorgung mit Finanzierungsmitteln bis in den letzten Winkel. Wie der Körper Blut in allen Zellen braucht - ohne jede dauerhafte Unterbrechung.
Das Finanzierungsmittel der modernen Wirtschaft ist das Geld der Notenbank - als „gesetzliches Zahlungsmittel mit Annahmezwang für den Geschäftsverkehr”. Es hat eine quasi Monopolstellung. Das hat durch Effizienzsteigerungen des Systems über lange Zeit eine enorme Dynamik sich entfalten lassen. Doch die Kehrseite ist jetzt auch die enorme Anfälligkeit, die nun offensichtlich wird.

Denn der Zugang zu dem Notenbankgeld (derzeit bei uns der „Euro“) für den Einzelnen geht nur über den Umweg des Bankensystems. Die „Geldausgabestelle” ist die Notenbank, Zugang haben nur die akkreditierten Geschäftsbanken als „Geldverteilerstelle” und „Geldschöpfungsmaschinerie“ über Darlehen, Überziehungskredite, Interbankenlinien. Die ersten 60 DM waren 1948 noch „umsonst”, von den Siegern “geschenkt”, die noch bestehenden Reichsmarkguthaben wurde abgewertet und in (DM) Kraft gesetzt. Auf den Konten der Banken. Auszahlung nur über Banken. Verwendung der Sparguthaben solange, es nicht abgehoben wurde: In den Banken. Als Kredit. Jede Einlage erzeugt über das Bankensystem mehrfachen Kreditspielraum. Solange die Sparer nicht kommen. Banken sind der Abrechnungsweg des Wertschöpfungszuwachs durch die wachsende Wirtschaftleistung; mittels Zufluss aus dem Ausland oder neuer Geldausgabe der Notenbank, um die wachsende Wirtschaft mit mehr Geld zu „versorgen“: Über die Banken.

Es kommt nicht von ungefähr, dass es eigenes „Gesetz über das Kreditwesen” gibt. Dieses hatte früher sehr klare Prinzipien, die einen weiten Spielraum für regionalen und sektoralen Gestaltungsspielraum schufen. Fast ein schmales Büchlein. Heute ist das Kreditwesengesetz ein dicker Wälzer, der sich in unzählbaren Handlungsverordnungen verstrickt hat. Die Regelungswut hat fatale Folgen. Selbst die Bankenprüfer übersehen in diesem Gewirr die wirklichen Risiken. Wie kann sonst eine Sachsen LB oder IKB aus „Versehen” pleite gehen? Wie kann man so etwas Gravierendes übersehen? Weil die Aufmerksamkeitskraft des rationalen Verstandes schon so ermüdet ist.

Der Weg in die Systemkrise

Wo waren noch Ursachen dieser Zusammenbrüche? In der Kreditkrise der Hausbesitzer in den USA . Auslöser war der dort zusammenbrechende Immobilienmarkt, als bei zahllosen Darlehen sprunghaft die Zinsen stiegen und die Kreditnehmer reihenweise pleite gingen. Zuviel Immobilien gleichzeitig am Markt bei immer weniger Nachfragern heißt starker Preisverfall. Was wieder zur Folge hatte, dass noch mehr Kreditnehmer pleite gingen, als sie ihre Kredite aufgrund fallenden Marktwertes der Häuser nachbesichern mussten und nicht konnten.

Der erste Dominoeffekt.

Über Jahre hatten die Geschäftsbanken dort “Kredite” verschleudert. Wer nicht bei drei auf dem Baum war, hatte ein Haus am Hals, dessen tatsächliche Kosten sich nun wie eine Schlinge zuziehen. Denn der Kredit war anfangs fast wirklich „umsonst”, kaum Zinsen. Wie konnten das die Banken machen? Sie hatten selber von der US Notenbank Unsummen an fast kostenlosem Geld bekommen. Das auslösenden Datum: 9/11. Ein Menetekel?

Um den Schock des Zusammensturzes der Twin Towers schnell zu überwinden hatte die Notenbank den Markt mit Geld „geflutet” - offensichtlich ohne diesen „Geldsee” wieder planvoll abfließen zu lassen. Doch Geld bei der Bank sucht immer nach Ertrag bringender Anlage. Da die Blase der New Ecomomy kurz zuvor schon geplatzt war, musste eine neues Ertragsfeld gefunden, genauer: erfunden werden.

Das war der Immobilientraum der Amerikaner. Dort zählt gesellschaftlich offensichtlich nur, wer ein Haus sein eigen nennt, egal wie es finanziert ist. Die enormen Risiken aus diesen Geschäften “verkauften” die Geschäftsbanken dann gleich weiter. „Wie geht denn so was?“, fragt sich der normale Mensch. Seit den 80er Jahren hat sich, politisch gewollt und durchgesetzt, vor allem von Ronald Reagan und Margret Thatcher, und rechtlich dann abgesichert, ein Raum ganz neuer Finanzgestaltungsmöglichkeiten ergeben. In Allianz mit
entsprechenden Wirtschaftsschulen (z.B. Milton Friedman) und rasantem Fortschritt in der Datentechnik entstand dann das, was wir heute “Finanzindustrie” nennen. Und erzeugte natürlich auch die dazu passenden Manager. Deren Rohstoff: Geld anderer Leute. Das Ziel: Daraus viel mehr Geld zu machen und möglichst viel davon selber zu behalten. Der Weg dahin: egal, wenn er nur zweckmäßig ist. Der „Banker“ war geboren.

Die Ethik eines Bankiers sah anders aus.

Groß und mächtig geworden ist dieses Investmentbanking aber letztlich durch die Sparer selber. Durch uns. Da diese Banken über kein eigenes Privatkundengeschäft verfügten, mussten sie sich die Mttel u.a. über Geschäftsbanken, Versicherungen und Pensionsfonds besorgen. Woher hatten die noch ihre Mittel: Von uns. Zwar haben wir unseren Banken nicht gesagt, sie sollen mit Lehmann Brothers Geschäfte machen. Und nicht alle haben direkt Papiere gekauft, bei denen diesen Häusern die Mittel zugeflossen sind. Aber wir haben immer höhere Zinsen haben wollen. Und für Kredite immer weniger bezahlen. Wir waren doch nicht blöd! Oder?

Kein Wunder, dass Banken da auf Abwege geraten.

Diese „Geldindustrie“ stand dann also bereit, kaufte die Risiken auf - gegen Bares für die Geschäftsbanken, aber mit sattem Abschlag für sich selber -, „spaltete die Risiken auf und bündelte sie neu“ . Wie geht denn so was? In etwa so: aus mehreren nach Sachgebieten geordneten Akten wirft man alle Blätter in die Luft und auf dem Boden sortiert man sie dann nach Vertriebs- und Ertragsaspekten in ganz andere Ordner wieder ein. Es sind aber immer noch die – jetzt zusammenhanglosen Zettel. Diese neuen Order bekommen auch ganz andere Aufkleber. Werden aus Gründen der Verkaufbarkeit mit Hochglanzbroschüren umwickelt und mit Siegeln von Ratingagenturen aufgewertet. Diese Ratingagenturen haben etwa den Charakter von
Forschungsinstituten, die für MARBORO Unbedenklichkeitsbescheinigen ausstellen.

Diese edlen Siegel („AAA”) sahen dann die Aufsichtsräte, vor allem Politiker, in der Sachsen LB und der IKB, der Bayrischen Landesbank, der WestLB usw., und sagten sich: Na, dann ist „unser“ Geld hier doch wohl sicher!

Sprachen’s und kauften zu „guten Zinsen”, nachdem vorher die Investmentbanken für das von ihnen neu “geschaffene Produkt” einen satten Aufpreis genommen hatten. So waren alle zufrieden: Die neuen amerikanischen Hausbesitzer, die endlich „wer waren“, die Geschäftsbanken, die mit dem geschenkten Geld Erträge erzielen konnten, die Investmentbanken, die wieder mal ein paar Ahnungslose gefunden hatten, die Landesbanken , die aufgrund abhanden gekommenen Geschäftsmodells wieder Erträge erzielen konnten, die Finanzminister über deren Dividendenbeitrag zum Landeshaushalt und die kommunalen Kämmerer, da sie als Anteilseigner der Sparkassen über deren Miteigentümerschaft an den Landesbanken partizipierten. Also letztlich der Bürger und die Bürgerin. Denn die Kita muss finanziert werden, Busse sollen bezahlbar fahren, nicht jedes Schwimmbad geschlossen werden, Lehrerstellen sind wieder gefragt.

So in etwa funktioniert heute Globalisierung auf verschlungenen Finanzpfaden. Und hier zeigt sich die fundamentale Gefahr und die akute Bedrohung für unser Gemeinwesen. In diesem System ist alles mit allem verbunden. Vorteile und Nachteile schlagen nicht nur voll durch. Sie verstärken linear den (scheinbaren) Nutzen, aber potenzieren den Schaden im Sinne der positiven Rückkopplung. Ein sich selber verstärkender Prozess.

Die Idee war, die Risiken aus Gründen der Tragfähigkeit auf sehr viele Schultern zu „verteilen”. Das funktioniert nach dem Versichertenprinzip. Unter einer Bedingung, aber die ist entscheidend: Nicht alle dürfen gleichzeitig krank, beklaut, zum Todesfall werden.

Doch genau das geschieht jetzt und zwar AUFGRUND der selber erst geschaffenen Vernetzung. Denn das Schultern von Lasten geht nur, wenn jeder für sich stehen kann, selbständig auf eigen zwei Beinen. Hier lehnen aber alle Schultern aneinander. Keiner steht mehr für sich. . Da reicht es, wenn einer fällt. Dominoeffekt. Jeder hat sich auf den anderen verlassen und steht jetzt verlassen da. Von den Banken ist kurzfristig kaum Hilfe zu erwarten, im Gegenteil. Sie werden die Krise erst recht verschärfen, denn sie liegen für lange auf der Intensivstation. Die Rettungspakete der Regierungen haben nur den Exitus
verhindert, mehr nicht.

Wie nun an Geld kommen, wo doch die Versorgung von Geld derzeit nur über die Banken möglich ist?
Derzeit.

Geld ist öffentliches Gut. Die Privatisierung der Geldversorgung übe den Weg privater Banken gibt es erst seit der Renaissance. Was es jetzt braucht ist eine Initiative direkt zwischen BürgerInnen und ihrem eigenen (!) Staat. Beide müssen sich bewegen und sehr ungewohnte Pfade treten, damit das Geld weiter fließen kann. Geld muss. neben der Bankengeldsschöpfung, auch direkt vom Staat an die Bürger fließen können. Und umgekehrt müssen BürgerInnen ihr Geld selber schaffen können, so wie sie es zur Leistungserzeugung benötigen. Das Effizienzstreben hat zwar ein hochkompliziertes effizientes, aber aufgrund der „Artenarmut“ enorm brüchiges System geschaffen hat. Vielfalt ist jetzt das Gebot der Stunde. Die moderne Systemforschung liefert dafür exzellente Vorarbeit.

Wir stehen vor einer Bedrohung existenziellen Ausmaßes. Es gibt zwei schlimmste Dinge, die eine Gemeinschaft auf lange Sicht verheeren: Krieg und Währungszusammenbrüche.

Wie konnte das passieren? Die Gründe mögen tiefer liegen, als wir dachten. Es braucht ein fundamentales Umdenken. Genauer, ein neues Erleben von dem, was wir als Realität bezeichnen.

Geld hat was mit uns zu tun. Wir haben was mit Geld zu tun

Deswegen bedarf die Dominokette vom Beginn vielleicht zwei Ergänzungen, etwa so:
Bewusstseinskrise (= Sinnkrise) - Kreditkrise (= Vertrauenskrise) - Finanzkrise (= Systemkrise) - Bankenkrise (= Organkrise) - Wirtschaftskrise - (Organisationskrise) - Gesellschaftkrise (= Gemeinschaftskrise) - Bewusstseinskrise (= Sinnkrise)

Eigentlich ist es ein Kreis, genauer noch: eine dreidimensionale Spirale der Entwicklung. Also wirklicher Fortschritt. Man kommt sozusagen „auf einer höheren Ebene” wieder an dieselbe Stelle. Aber es ist nicht mehr dieselbe, weil man selber durch die Krisen gereifter, fähiger, eben bewusster geworden ist.

Das Bild könnte eine Deutungshilfe sein. In Krisen kommt es besonders darauf an, sich tragfähige und kraftvolle Deutungsbilder zu erschließen. Da die gewohnte Ordnung der Dinge sich auslöst und dabei das neue Gestaltungsprinzip immer erst noch gefunden werden will, kann auch die daraus zu schaffende Ordnung noch nicht realisiert werden.

Dies ist ein notwendiger Schwebezustand. Hier herrschen andere Regeln vernünftigen Verhaltens, als wenn die Dinge in geordneten Bahnen laufen. Wichtige Element sind eben „Deutungskraft” als Orientierung im tagtäglichen Geschehen (die „Taktik”) und „Visionskraft” als Richtungsradar im Nebel (die „Strategie”).

Das ist nicht an sich schwer. Nur ungewohnt. Weil unser abendländischer Verstand seit Generationen „anders unterwegs” war. Das macht uns im Moment die Sache etwas problematischer, als sie eigentlich ist. Es kommt jetzt darauf an, das in den letzten Jahrzehnten entdeckte oder wiederentdeckte Wissen um die Realität dieser inneren Entwicklungsprozesse jetzt in rational formulierbare Steuerungsfähigkeiten zu übertragen und sich dies als Fertigkeit anzueignen.

Das geht allerdings nur durch eigenes Erleben jedes Einzelnen, der dies für sich erwerben will. Sonst entstehen nur weitere Hirngespinste.

Die Herausforderung besteht also nun darin, dieses den Machtinhabern des politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses nahe zu bringen, sie dafür öffnen, sie zu ermutigen und dabei zu unterstützen. Das ist kein unmögliches Unterfangen. Was hemmt ist nichts als Angst, dies allerdings massiv und meist verdeckt durch rationalisierende Argumentationen. Erfahrungen zeigen aber, wie schnell hier Veränderungen von Statten gehen, wenn nur ein erster Schritt gelingt. Der Auslöser aber zur Bereitschaft dieses entscheidenden ersten Schrittes ist fast immer die Krise. Nicht umsonst heißt dieses griechische Wort übersetzt: Chance, Möglichkeit”.

Wie konkret beginnen?

Hier einige Ideen:

Sprechen Sie miteinander – Freunde, Bekannte, Unbekannte - organisieren Sie Treffen, stellen sie einfache Regeln dafür auf. Üben sie Zuhören und einfache Rede. Niemand kennt den Stein der Weisen, es geht ums gemeinsame “Erkunden”, nicht um Meinungen oder Überzeugungen.

Suchen Sie das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Schaffen Sie Transparenz. Diese schafft Klarheit und löscht Angst. Sind sie selber einer, sprechen sie offen mit den Angestellten. Jeder weiß was. Jeder kennt jemanden, der was weiß und kann. Miteinander sprechen verhindert Abgleiten in innere Panik.

Suchen Sie Blogs auf (oder organisieren sie selber einen), wo fließender Austausch, Vernetzung und Diskussion via Internet stattfindet. Nehmen Sie sich vor allem vor auf das zu achten, was sie stört, ärgert, ihnen widerstrebt, rätselhaft erscheint. Nur im Rätsel ist Rat.

Werden Sie als Unternehmer initiativ. Suchen Sie Kontakt zu Zahlungssystemen , die Leistungen ohne Banken abwickeln - www.WIR.ch Gründen Sie Initiativen – fordern sie Kammern und Kommunalpolitiker zur Unterstützung auf.

Sind Sie Akademiker, fordern Sie Universitäten auf zum offen und interdisziplinären Diskurs auf. Rufen Sie die Wissenschaftler heraus aus ihren Elfenbeintürmen. Jetzt sofort. Sie werden jetzt wirklich gebraucht. Suchen Sie Kontakt zu Think Tanks für Währungsdiversifizierung. www.lietaer.com

Schauen Sie sich um, wo in Ihrer Stadt Initiativen sind www.regiogeld.de , die sich jetzt mit Geldfragen beschäftigen (oder gründen sie selber eine). Achten Sie dabei möglichst auf Vielfalt der Ansätze und Aspekte. Ob ethische Fragen, religiöse Quellen, konkretes Alternativgeld , Informationsveranstaltungen mit
Bankern und Politikern, Bürgermeistern und Landräten, Gesprächsrunden mit Schülern, Lehrern, Gewerkschaftern. Egal - aber: werden sie initiativ, d.h. konkret: Sie.

Schreiben Sie Artikel oder Leserbriefe und schicken diese an Zeitungen. Rufen Sie dort an und fragen Sie, woher die Redaktion Ihre Informationen oder ihre Kenntnisse haben. Greifen Sie diese nicht an, laden Sie sie ein, gemeinsam zu lernen und den Horizont zu erweitern.

Gehen Sie zu Ihrer Bank und bitten Ihre / n BeraterIn um ein Gespräch mit ausreichend Zeit ( mind. eine Stunde ) . Beruhigen Sie ihn / sie, dass, Sie nicht zum Anklagen oder zur Panikbehandlung gekommen sind. Laden Sie ihn / Sie ein, gemeinsam zu überlegen, was zukünftig für eine gute Vertrauensbeziehung
notwendig ist. Sprechen sie von Herzen. Gehen Sie dabei davon aus, dass ihr Gegenüber auch nichts lieber möchte als das.

Hier ist schon der Platz für Ihre Ideen. Sie haben viel mehr davon, als Sie im Moment auch nur ahnen!

Demokratie kennt kein Wegsehen

Demokratie ist immer der freiwillige Zusammenschluss von selbständigen Menschen – oder sie hört auf zu existieren. Diese sind bereit die volle Verantwortung selber zu tragen und auf niemanden abzuwälzen. Diktatur ist die Gefolgschaft von Abhängigen. Das ist bequem, aber letztlich tödlich. Demokratie ist oft unbequem, aber immer der Bemühung wert, um ein menschenwürdiges Dasein zu gestalten.

Kein Zweifel, wir sind in unser Servicedemokratie sehr bequem geworden. Sehr. Deswegen kommt uns eine entsprechende Krise zu Hilfe. Man könnte sagen: Das Leben meint es gut mit uns. Zwar haben uns die Amerikaner ein Gutteil dieser Krise eingebrockt, aber sie verkörpern auch kraftvolle Haltungen, wenn es ums pragmatische Anpacken geht. Jedenfalls haben das mal verstorbene Präsidenten so ausgestrahlt, bei den lebenden bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Also: Zum Schluss zwei Zitate. Das erste als Haltung, das zweite als Handlungsanweisung.

„Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag dich selber, was du für dein Land tun kannst.” (John. F. Kennedy)
„If one thing does not work, try another. But above all: try something!” (Franklin D. Roosevelt)

In diesem Sinne: Go! You can do it!

Volker Viehoff, 20.Oktober 2008
1995 – 2000 Mitglied des Vorstandes der Ökobank eG
Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Viehoff GmbH

>> Download als pdf (in der Version des am 3.11. gehaltenen Vortrags)

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